← Zurück zur Startseite

Ein Schub bei MS: Wie kann er sich anfühlen und was sollte man tun?

Wer die Diagnose Multiple Sklerose erhält, stößt früher oder später auf einen Begriff, der immer wieder auftaucht:

Schub.

Viele Menschen verbinden damit sofort Angst und Unsicherheit.

Ist das ein Notfall?

Geht das wieder weg?

Woran erkenne ich überhaupt, ob es ein Schub ist?

Und was sollte ich tun, wenn ich den Verdacht habe?

Genau diese Fragen beschäftigen viele Betroffene – besonders in den ersten Jahren nach der Diagnose.

Dabei ist wichtig zu wissen:

Nicht jede Verschlechterung ist automatisch ein Schub.

Und nicht jeder Schub verläuft gleich.

In diesem Artikel erfährst du, wie sich ein MS-Schub bemerkbar machen kann, warum jeder Schub anders aussieht und welche Schritte bei Verdacht sinnvoll sein können.

Neu auf der Seite? Dann findest du hier zuerst die Grundlagen zu Multipler Sklerose: Was ist Multiple Sklerose?

Was ist ein MS-Schub überhaupt?

Vereinfacht gesagt beschreibt ein Schub das Auftreten neuer neurologischer Symptome oder eine deutliche Verschlechterung bereits bekannter Beschwerden.

Die Symptome halten dabei in der Regel länger als 24 Stunden an und lassen sich nicht durch andere Ursachen wie einen Infekt oder Fieber erklären.

Ein Schub entsteht durch entzündliche Aktivität im zentralen Nervensystem.

Dabei können Bereiche im Gehirn, Rückenmark oder an den Sehnerven betroffen sein.

Je nachdem, wo diese Entzündung auftritt, können ganz unterschiedliche Symptome entstehen.

Genau deshalb gleicht kaum ein Schub dem anderen.

Wie kann sich ein Schub bemerkbar machen?

Ein Schub kann sich sehr unterschiedlich äußern.

Manche Menschen bemerken zunächst nur ein leichtes Kribbeln.

Andere erleben plötzlich deutliche Einschränkungen.

Mögliche Symptome können sein:

Nicht jeder Schub verursacht schwere Symptome.

Und nicht jeder Schub hinterlässt bleibende Einschränkungen.

Warum sieht jeder Schub anders aus?

MS betrifft das zentrale Nervensystem.

Dort verlaufen unzählige Nervenbahnen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Wird eine Region betroffen, können andere Symptome auftreten als bei einer Entzündung an einer anderen Stelle.

Ein Beispiel:

Ist ein Sehnerv betroffen, können Sehstörungen auftreten.

Sind bestimmte Bereiche im Rückenmark betroffen, können Taubheitsgefühle oder Gangprobleme entstehen.

Deshalb vergleichen viele Ärzte Schübe nicht miteinander.

Entscheidend ist immer die individuelle Situation.

Schub oder Pseudo-Schub?

Nicht jede Verschlechterung von Symptomen bedeutet automatisch, dass ein neuer MS-Schub vorliegt.

Viele Menschen mit MS erleben Phasen, in denen bekannte Beschwerden plötzlich stärker werden. Das kann beunruhigend sein, muss aber nicht zwangsläufig auf neue Entzündungen im Nervensystem hindeuten.

In solchen Fällen sprechen Ärzte häufig von einem sogenannten Pseudo-Schub.

Dabei werden bereits vorhandene Symptome vorübergehend verstärkt, ohne dass neue Entzündungsherde entstehen.

Mögliche Auslöser können sein:

Typisch ist, dass sich die Beschwerden wieder bessern, sobald der Auslöser verschwindet oder behandelt wird.

Ob tatsächlich ein Schub oder nur eine vorübergehende Verschlechterung vorliegt, sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.

Viele Beschwerden bei MS sind von außen nicht sichtbar. Mehr darüber erfährst du hier: Unsichtbare Symptome bei MS

Was kann einen Schub begünstigen?

Viele Menschen fragen sich nach der Diagnose, ob es bestimmte Auslöser für einen MS-Schub gibt. Tatsächlich berichten viele Betroffene, dass einem Schub besondere Belastungen oder Erkrankungen vorausgingen. Trotzdem ist wichtig zu wissen: Nicht jeder Schub hat einen erkennbaren Auslöser.

Als mögliche begünstigende Faktoren gelten unter anderem:

Besonders Infekte werden häufig mit dem Auftreten von Schüben in Verbindung gebracht. Viele Betroffene berichten beispielsweise, dass neurologische Symptome kurz nach einer Erkältung oder einer anderen Infektion aufgetreten sind.

Trotzdem bedeutet das nicht, dass jede Erkältung automatisch zu einem Schub führt. Viele Menschen mit MS durchleben Infekte, stressige Lebensphasen oder Zeiten mit wenig Schlaf, ohne dass ein Schub auftritt.

Warum genau ein Schub entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Häufig spielen vermutlich mehrere Faktoren zusammen. Deshalb ist es sinnvoll, auf ausreichend Erholung, guten Schlaf und eine möglichst schnelle Behandlung von Infekten zu achten – auch wenn sich Schübe dadurch nicht immer verhindern lassen.

Fatigue gehört zu den häufigsten Symptomen bei MS und wird manchmal mit einem Schub verwechselt. Mehr dazu erfährst du hier: Was ist Fatigue bei MS?

Was sollte man bei Verdacht auf einen Schub tun?

Zunächst einmal:

Ruhe bewahren.

Neue Symptome können beängstigend sein.

Panik hilft in dieser Situation jedoch selten weiter.

Sinnvoll ist es, die Beschwerden möglichst genau zu beobachten.

Hilfreiche Fragen können sein:

Viele Betroffene notieren sich solche Informationen.

Das kann später auch für den behandelnden Neurologen hilfreich sein.

Wann sollte man den Neurologen kontaktieren?

Grundsätzlich sollte man neue neurologische Symptome oder deutliche Verschlechterungen immer mit dem behandelnden Neurologen besprechen.

Besonders wichtig ist eine zeitnahe Rücksprache bei:

Der Arzt kann einschätzen, ob weitere Untersuchungen notwendig sind.

Was passiert beim Arzt?

Zunächst erfolgt meist eine neurologische Untersuchung.

Dabei wird überprüft, welche Funktionen betroffen sind.

Je nach Situation können weitere Untersuchungen folgen.

Dazu gehören beispielsweise:

Nicht jeder Verdacht auf einen Schub führt automatisch zu einem MRT.

Die Entscheidung hängt immer von der individuellen Situation ab.

Wann wird Kortison eingesetzt?

Bei stärkeren Schüben wird häufig eine hochdosierte Kortisontherapie eingesetzt.

Ziel ist es, die Entzündung schneller zu beruhigen und die Erholung zu unterstützen.

Kortison heilt die MS nicht.

Es kann jedoch dazu beitragen, dass sich ein akuter Schub schneller zurückbildet.

Ob eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Arzt anhand der Beschwerden und ihrer Ausprägung.

Können Symptome wieder verschwinden?

Ja.

Viele Menschen erleben nach einem Schub eine teilweise oder sogar vollständige Rückbildung der Beschwerden.

Bei anderen bleiben einzelne Symptome bestehen.

Wie gut sich Symptome zurückbilden, lässt sich nicht immer vorhersagen.

Jeder Verlauf ist individuell.

Deshalb sollte man sich weder von besonders positiven noch von besonders negativen Erfahrungsberichten anderer Menschen verunsichern lassen.

Was Angehörige wissen sollten

Für Angehörige ist ein möglicher Schub oft ebenfalls belastend.

Viele möchten helfen und wissen gleichzeitig nicht, was sie tun sollen.

Dabei ist Unterstützung häufig einfacher, als man denkt.

Hilfreich kann sein:

Nicht jede Situation braucht sofort eine Lösung.

Oft hilft es bereits, da zu sein.

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie Angehörige Menschen mit MS im Alltag unterstützen können? Dann findest du hier den passenden Artikel: Wie Angehörige bei MS helfen können

Warum man Beschwerden ernst nehmen sollte

Viele Menschen versuchen zunächst, neue Symptome zu ignorieren.

Sie hoffen, dass die Beschwerden von selbst wieder verschwinden.

Manchmal geschieht das tatsächlich.

Trotzdem sollten neue neurologische Symptome ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Nicht aus Panik.

Sondern weil eine frühzeitige Einschätzung sinnvoll sein kann.

Gerade bei MS gilt:

Lieber einmal mehr nachfragen als einmal zu wenig.

Fazit

Ein MS-Schub kann sich sehr unterschiedlich anfühlen.

Neue Symptome, eine deutliche Verschlechterung bekannter Beschwerden oder neurologische Veränderungen können Hinweise darauf sein.

Gleichzeitig bedeutet nicht jede Verschlechterung automatisch einen Schub.

Hitze, Infekte, Stress oder Fatigue können bestehende Symptome ebenfalls verstärken.

Deshalb ist es wichtig, Veränderungen ernst zu nehmen, Ruhe zu bewahren und den behandelnden Neurologen einzubeziehen.

Jeder Schub verläuft anders.

Und genau deshalb gibt es keine pauschale Antwort auf die Frage, wie sich ein Schub anfühlen muss.

Wer seinen Körper aufmerksam beobachtet und Veränderungen frühzeitig ärztlich besprechen lässt, schafft jedoch eine gute Grundlage für den Umgang mit solchen Situationen.

Häufige Fragen zu MS-Schüben (FAQ)

Was ist ein MS-Schub?

Ein MS-Schub bedeutet, dass neue neurologische Symptome auftreten oder bekannte Beschwerden deutlich stärker werden. In der Regel halten die Beschwerden länger als 24 Stunden an und lassen sich nicht durch andere Ursachen wie Fieber oder Infekt erklären.

Wie fühlt sich ein MS-Schub an?

Ein Schub kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Möglich sind zum Beispiel Taubheitsgefühle, Kribbeln, Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Muskelschwäche oder Gangunsicherheit.

Was ist ein Pseudo-Schub?

Bei einem Pseudo-Schub werden bereits bekannte MS-Symptome vorübergehend stärker, ohne dass neue Entzündungen entstehen. Auslöser können beispielsweise Hitze, Infekte, Fieber, Stress oder Schlafmangel sein.

Kann eine Erkältung einen MS-Schub auslösen?

Infekte wie Erkältungen oder Grippe gelten als mögliche begünstigende Faktoren für MS-Schübe. Allerdings führt nicht jede Infektion automatisch zu einem Schub. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen.

Was sollte man bei Verdacht auf einen Schub tun?

Sinnvoll ist es, Ruhe zu bewahren, Symptome zu beobachten, Beginn und Verlauf zu notieren und den behandelnden Neurologen zu kontaktieren.

Wann sollte man den Neurologen kontaktieren?

Bei neuen neurologischen Symptomen, deutlicher Verschlechterung bekannter Beschwerden oder anhaltenden Veränderungen sollte man ärztlichen Rat einholen.

Wird ein Schub immer mit Kortison behandelt?

Nein. Ob Kortison sinnvoll ist, hängt von Art und Stärke der Beschwerden ab. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Können Symptome nach einem Schub wieder verschwinden?

Ja. Viele Symptome bilden sich nach einem Schub teilweise oder vollständig zurück. In manchen Fällen können jedoch Beschwerden bestehen bleiben.

Was können Angehörige bei einem Schub tun?

Angehörige können helfen, indem sie Ruhe bewahren, zuhören, praktische Unterstützung anbieten und Arztkontakte erleichtern, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen.